Film-Rezension von Paul Siwasch

 

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GEWINNER DER HOFER FILMTAGE 2022

SCHATTENKIND – ANDREAS REINER - BILDER DES ANDEREN LEBENS 

von Jo Müller

Fotos: Andreas Rau

SCHATTENKIND GEWINNER DER HOFER FILMTAGE 2022:
Jo Müller erhielt Regiepreis für besten Dokumentarfilm
 
Gewinner des diesjährigen Dokumentarfilmpreises bei den internationalen Hofer Filmtagen ist "SCHATTENKIND - ANDREAS REINER - BILDER DES ANDEREN LEBENS“.  Der im baden-württembergischen Kirchheim unter Teck lebende Jo Müller erhielt den Preis für die beste Regie. Der Film begleitet den Ausnahme-Fotografen Andreas Reiner, der seinen Fokus auf die Vergessenen und Verlorenen dieser Gesellschaft legt, weil er sich selbst als einer von ihnen betrachtet. Als er 20 war beging seine Mutter Suizid. Er wurde wohnungslos und kam schließlich in die Psychiatrie. Bis er seine Passion, die Fotografie entdeckte. Andreas Reiner stammt aus Oberwälden bei Göppingen und wohnt in Galmutshöfen bei Biberach a.d. Riß.
 
„SCHATTENKIND“ entstand über einen Zeitraum von zwei Jahren und ist eine für deutsche Verhältnisse ungewöhnliche Produktion, denn er wurde ohne Fördergelder oder die Unterstützung einer Fernsehanstalt realisiert. Produziert wurde „SCHATTENKIND“ von der Stuttgarter Firma teamWERK. Die FilmProduktion GmbH, mit Ihren Geschäftsführern Günter Moritz und Monika Agler. 
 
Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Regisseurinnen und Regisseuren: Angeliki Antoniou, Günter Schwaiger und Jens Meurer vergab den Preis an Jo Müller mit folgender Begründung:
“Der Regie gelingt es, durch eine komplexe Dramaturgie und mit einer außergewöhnlichen Ästhetik dem Protagonisten immer so nahe zu stehen, wie dieser den Menschen, mit denen der schafft.“ 
 
Der Preis wird jährlich seit 2015 durch die Hermann und Bertl Müller Stiftung vergeben, die in Hof ansässig ist. Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert und wird für den besten langen Dokumentarfilm aus deutscher, schweizer oder österreichischer Produktion verliehen.
Gestaltet wurde der Dokumentarfilmpreis „Granit“ nach einem Entwurf von Mohamed Naguib. 
 
 

Schattenkind-Der Film



Pressetext

 

 

 Der Film

 

Was ist das Geheimnis dieses Mannes, der gut zwei Dutzende Menschen dazu bringt, ein Superman-Kostüm anzuziehen, sich auf ihr altes Mofa zu setzen und für einen Kalender zu posieren? 

Warum stellen sich 40 Menschen nackt in einen völlig kargen und durch den Klimawandel zerstörten Wald und warten darauf, dass sie endlich die Augen aufmachen dürfen und der Fotograf Andy Reiner auf den Auslöser drückt? Für dieses eine Bild. 

Warum erzählen Frauen die Geschichte ihrer Fehlgeburten und lassen zu, dass Reiner genau den Moment festhält, in dem ihr Schmerz am größten ist? 

Und warum tut Fotograf Andy Reiner selbst, geboren 1968 in Wangen (Kreis Göppingen), das alles überhaupt? Warum fotografiert der Mann, der mit seinem Ochsen Anton, der Kuh Lore und seiner Bernhardinerhündin Pauline auf einem alten Bauernhof in Galmutshöfen (Kreis Biberach) lebt, Menschen mit ihren Grabbeigaben im Sarg?

Andy Reiner ist Fotograf geworden, weil das Leben ihn dazu genötigt hat. Wer ihn in Jo Müllers Dokumentarfilm „Schattenkind“ mit seinem alten Mercedes-Wolf-Geländewagen durchs Oberschwäbische fahren sieht, erlebt ein Roadmovie durch Andy Reiners Leben – und begreift. Zwei Jahre hat Müller ihn begleitet und das alles zu einem 90-Minuten-Destillat verdichtet. So wie Reiner das Leben in seinen Bildern verdichtet.  

Reiner kennt den Schmerz. Er weiß, wie er einen aus der Bahn werfen und welche Kraft er zugleich freisetzen kann. Sein Vater stirbt, als er 15 Jahre alt ist. Die Mutter nimmt sich, einen Tag vor seinem zwanzigsten Geburtstag, das Leben. Nun braucht er selbst Rettung. Reiner verbringt mehrere Jahre in der Psychiatrie. Die Fotografie wird zu seiner Sprache. Und sie ist gleichzeitig sein Mittel, um die Verbundenheit mit denen zu zeigen, deren Leben ebenfalls in Kipplage geraten ist oder war. 

Er liebt diese Menschen. Helmut, den Mann mit kognitiver Beeinträchtigung, der sich mit einer Banane in der Hand im schwarzen Anzug wie James Bond hinstellt und so herrlich Gitarre spielt. Oder Hans, der in dem Ort, in dem Reiner aufgewachsen, in seinem Elternhaus nach deren Tod weiterlebt, weil der ganze Ort sich um ihn kümmert. Immer wieder besucht Reiner seine Protagonisten. Weil er sie mag und weil sie ihn mögen. Der Regisseur Jo Müller zeigt einen Menschen, für den Fotografieren ein Akt der Solidarität ist. Der Erdung lebt und wenn er eine Idee erfolgreich umgesetzt hat, aber auch sehr zufrieden ins sich reinlachen kann. Weil auch das Leben ist.      

  

 

 

Buch und Regie:

 

 

 

 Jo Müller arbeitet seit vielen Jahren als TV-Autor und Regisseur, entwickelt und dreht aufwendige Dokumentationen, TV-Serien und fiktionale Filme.

Sein TV-Portrait ROLAND EMMERICH – MEIN LEBEN (ZDF/ ARTE) wurde in Cannes mit dem Goldenen Delfin ausgezeichnet. 

Preisgekrönt ist auch seine Doku-Fiction-Serie über Märchen und Legenden: SAGENHAFTER SÜDWESTEN (SWR).

2021 verwirklichte Jo Müller den Film UNHEIMLICHE GESCHICHTEN (SWR), in dem Horrorstories präsentiert und deren Hintergründe beleuchtet werden.

Auch in dem von ihm 2020 entwickelten, geschriebenen und gedrehten Dreiteiler RAUHNÄCHTE - WILDE JAGD UND STILLE ZEIT (SWR), mit Natalia Avelon und Harald Krassnitzer, wurden schaurige Geschichten inszeniert und deren Wahrheitsgehalt beleuchtet.

Von sich reden machte der Filmemacher 2019 durch zwei 90-minütige Dokumentationen: CARL LAEMMLE - LEBEN WIE IM KINO, einer Hommage des legendären Hollywood-Gründers, die auf mehreren Filmfestivals zu sehen war und regelmäßig im TV ausgestrahlt wird, sowie KINOTRÄUME, rund um die Traumfabrik selbst. 

 

Weitere Doku-Highlights von Filmemacher Jo Müller: POPULÄR, über die FANTASTISCHEN VIER (ZDF-neo) sowie ASTERIX & CO: DIE COMICWELTEN DES ALBERT UDERZO (ARTE). 

Aber auch mit der Serie LÄNDLEDELUXE (SWR) war Jo Müller erfolgreich, ebenso wie mit MASTER OF DESASTER (Das Erste), ein frühes Porträt über Roland Emmerich, EIN MONSTER ERWACHT (SAT1) oder die Serie SCHÖN WAR DIE ZEIT (SWR), eine Mixtur aus Spiel- und Archivszenen, für die er zwei Folgen (die 1970er Jahre) realisierte.

Zudem schreibt und inszeniert er Musikvideos, im Rock & Pop, ebenso wie im Klassik-Bereich. U.a. mit Edo Zanki, Jule Neigel oder Fools Garden.

 

 

 

                        

CREW

 

                                   Regie                                                           Jo Müller

                                   Kamera                                                        Dirk Schwarz

                                                                                                        Adrien Gacon

                                                                                                        Marco Evangelista

                                   Ton                                                               Dorian Ostermann

                                                                                                        Samuel Filohn

                                   Schnitt                                                         Tim Löschmann

                                                                                                        Monika Agler

                                   Mischung                                                     Christian Müller

                                   Grading                                                        Tim Löschmann

                                   Produzenten                                                 Günter Moritz

                                                                                                         Monika Agler

                                   Musik                                                           Dirk Maassen

Produktionsfirma                                         teamWERK. Die Filmproduktion GmbH

 

 

 

 

 

Technische Daten

 

Laufzeit: 1:27:57:11

Originalsprache: Deutsch

Farbe: Farbe

Format: Full HD

Sound Mix: 5.1